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Kuba abseits der Touristenpfade: Geheimtipps

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in Familie & Leben
Lesedauer: 4 min.

Havanna, Trinidad, Varadero. Wer Kuba googelt, landet unweigerlich bei denselben drei Namen. Das ist verständlich, denn diese Orte sind beeindruckend. Aber Kuba ist eine Insel mit knapp 110.000 Quadratkilometern Fläche, und die meisten Reisenden sehen davon gerade einmal einen Bruchteil. Wer länger bleibt, ein Auto mietet oder einfach einen Bus in die falsche Richtung nimmt, merkt schnell: Das eigentliche Kuba fängt dort an, wo die Reisegruppen aufhören.

Baracoa: das vergessene Ende der Insel

Baracoa liegt an der Ostspitze Kubas, umgeben von Regenwald und Bergen, und war bis 1965 nur per Schiff erreichbar. Die Straße La Farola, die die Stadt seither mit dem Rest der Insel verbindet, gilt als eines der kühnsten Bauprojekte der kubanischen Revolution. Wer die 50 Kilometer lange Serpentinenstraße von Guantánamo aus fährt, begreift warum.

In Baracoa selbst wachsen Kakaobäume direkt vor den Fenstern der Casas Particulares. Die Stadt produziert einen Großteil des kubanischen Kakaos, und lokale Schokoladenfabriken, klein und handwerklich, verkaufen Tafeln für umgerechnet weniger als einen Euro. Der Río Toa nördlich der Stadt ist einer der breitesten Flüsse Kubas und lässt sich per Boot oder zu Fuß erkunden. Touristen trifft man hier selten.

Remedios: Weihnachten auf kubanische Art

Die Kleinstadt Remedios in der Provinz Villa Clara ist eine der ältesten Städte der Insel, gegründet 1524, und weitgehend unberührt vom Massentourismus. Architektonisch ist sie ein offenes Freilichtmuseum: Kolonialbauten in Pastellfarben, eine gepflasterte Plaza mit zwei Kirchen, kaum Lärm. Wer im Dezember reist, erlebt hier das Festival Las Parrandas, ein stadtweites Feuerwerk- und Umzugsfestival, das jedes Jahr zwischen dem 24. und 26. Dezember stattfindet und zu den ältesten Volksfesten Kubas zählt. Zwei Stadtteile, El Carmen und San Salvador, wetteifern dabei mit aufwendig dekorierten Festwagen und stundenlangen Feuerwerkshows.

Strände jenseits von Varadero

Varadero ist schön, keine Frage, aber auch dicht besiedelt mit All-inclusive-Resorts. Wer wirklich einsame Strände sucht, fährt auf die Halbinsel Guanahacabibes im äußersten Westen der Insel. Der Nationalpark dort ist UNESCO-Biosphärenreservat. Am Strand María la Gorda ankern Tauchboote für Korallen-Expeditionen, und die Unterwasserwelt gilt unter Tauchern als eine der artenreichsten der Karibik. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es direkt am Strand, schlicht und preiswert.

Eine weitere Alternative sind die Strände rund um Marea del Portillo an der Südküste der Provinz Granma. Schwarzer Lavasand, kaum Menschen, Bergblick in den Rücken und die Karibik vor den Füßen. Der Weg dorthin ist lang und die Straßen sind nicht immer komfortabel, aber genau das hält die meisten Besucher fern.

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Unterwegs mit dem Camión

Wer kein Mietauto hat und kein Geld für Taxis ausgeben will, fährt mit dem Camión. Das sind umgebaute Lastwagen mit Ladefläche und Holzbänken, die zwischen kubanischen Städten pendeln und für Kubaner das wichtigste Transportmittel außerhalb der Busse sind. Ausländer zahlen meist einen kleinen Aufschlag, bleiben aber weit unter den Preisen der Touristenbusse. Eine Fahrt von Holguín nach Bayamo kostet wenige Pesos. Der Haken: Abfahrtszeiten sind grob kalkuliert, Mitreisende bringen oft Hühner oder Gepäck jeder Art mit, und Klimaanlage gibt es nicht. Dafür sind die Gespräche mit kubanischen Mitfahrern oft das Beste, was einem auf einer Kubareise passieren kann.

Detaillierte Routen für solche Überlandfahrten, inklusive aktueller Hinweise zu Benzinverfügbarkeit und alternativen Transportmitteln, finden sich unter anderem beim Kuba Reise Magazin, das regelmäßig praxisnahe Berichte von Reisenden auf der Insel veröffentlicht.

Essen, das kein Reiseführer empfiehlt

Kubas Küche hat keinen guten Ruf, was meist an den Restaurants liegt, die auf Touristen ausgerichtet sind. Anders sieht es aus, wenn man weiß, wo man sucht. Paladares, private Restaurants, die seit den 1990er Jahren erlaubt sind, bieten oft besseres Essen zu niedrigeren Preisen als staatliche Betriebe. Noch günstiger sind Agromercados, Bauernmärkte, wo frisches Obst und Gemüse verkauft werden, das in keiner Hotelküche landet.

Ein konkretes Beispiel: In Santiago de Cuba gibt es rund um den Mercado Agropecuario in der Calle Habana kleine Stände, an denen Tamales, mit Maismehl gefüllte Teigtaschen, für umgerechnet 10 bis 20 Centavos das Stück verkauft werden. Das Frühstück kostet weniger als einen Euro und ist besser als jedes Hotelbuffet.

Praktische Hinweise auf einen Blick

  • Währung: Seit 2021 gibt es offiziell nur noch den kubanischen Peso (CUP). Auf dem Schwarzmarkt kursieren jedoch andere Wechselkurse. Wer Euro in bar mitbringt, ist flexibler als mit Karte.
  • Mobilfunk: ETECSA-SIM-Karten sind für Ausländer erhältlich, das Netz ist außerhalb der Städte aber dünn. Offline-Karten wie Maps.me vorab herunterladen.
  • Unterkünfte: Casas Particulares kosten in der Regel 20 bis 40 US-Dollar pro Nacht und bieten mehr Einblick ins Alltagsleben als jedes Hotel.
  • Beste Reisezeit: November bis April ist trocken und angenehm. Juli und August sind heiß und regenreich, die Preise aber niedriger und die Strände leerer.

Warum der Umweg lohnt

Kuba verändert sich schnell. Wer das Land noch so erleben will, wie es in den vergangenen Jahrzehnten war, sollte nicht zu lange warten. Neue Hotels entstehen, das Mobilfunknetz wird ausgebaut, und mehr Kreuzfahrtschiffe als je zuvor laufen Havanna an. Gleichzeitig existieren Regionen wie Baracoa oder die Südküste noch in einem anderen Rhythmus. Dort fragt niemand nach dem WLAN-Passwort. Dort sitzt man abends auf der Terrasse einer Casa Particular, und die Gastfamilie erklärt, warum die Mangos in diesem Jahr besonders süß sind. Das ist das Kuba, das bleibt.

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