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Frauen und smarte Technik: Ein Markt im Wandel

Frauen und smarte Technik: Ein Markt im Wandel

Frauen und smarte Technik: Ein Markt im Wandel

in Digitales & Technik
Lesedauer: 4 min.

Wer vor zehn Jahren ein Technikmagazin aufschlug, sah vor allem eines: Männer. Als Tester, als Experten, als Zielgruppe. Dass Frauen Smartphones, Wearables oder Sprachassistenten mindestens genauso intensiv nutzen, wurde lange schlicht übersehen. Inzwischen liefern Marktforscher und Statistikämter ein anderes Bild, und die Branche beginnt langsam, darauf zu reagieren.

Was die Zahlen tatsächlich sagen

Das Statistische Bundesamt erfasst seit Jahren die Internetnutzung nach Geschlecht. In der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen unterscheiden sich die Nutzungsquoten zwischen Männern und Frauen inzwischen kaum noch. Bei Smartphones liegt die Durchdringung bei Frauen in Deutschland über 90 Prozent. Was sich hingegen noch unterscheidet, ist die Art der Nutzung: Frauen setzen smarte Geräte häufiger für Gesundheitsmonitoring, Organisation des Alltags und soziale Vernetzung ein. Männer tendieren stärker zu Gaming und technischen Konfigurationen.

Diese Unterschiede sagen aber wenig über Kompetenz oder Interesse aus. Sie spiegeln vor allem wider, welche Produkte bislang mit welchen Versprechen vermarktet wurden. Ein Fitness-Tracker, der primär mit Laufleistung und Wettkampfdaten beworben wird, spricht eine andere Zielgruppe an als einer, der Stresspegel, Schlafqualität und Zyklusdaten auswertet. Das eine ist nicht mehr oder weniger technisch als das andere.

Smarte Gesundheit als Einstiegspunkt

Der Gesundheitsbereich ist derzeit einer der stärksten Wachstumsmärkte für smarte Geräte bei Frauen. Apps zur Zyklusverfolgung wie Clue oder Natural Cycles haben Millionen Nutzerinnen gewonnen. Wearables messen Herzfrequenzvariabilität, Hauttemperatur und Schlafphasen. Diese Daten interessieren viele Frauen nicht aus technischer Spielfreude, sondern weil sie konkrete Alltagsfragen beantworten: Warum bin ich an bestimmten Tagen erschöpfter? Wie reagiert mein Körper auf Stress?

Dieser pragmatische Zugang zur Technologie ist keineswegs weniger wertvoll als das Konfigurieren eines Heimnetzwerks. Er ist schlicht ein anderer. Und er öffnet viele Frauen für weitere smarte Geräte, sobald sie gemerkt haben, dass Technik für sie funktioniert, anstatt gegen sie.

Sexuelle Selbstbestimmung und smarte Geräte

Ein Bereich, der in öffentlichen Debatten über Technologie und Frauen kaum vorkommt, aber deutlich wächst, ist der der vernetzten Intimgeräte. Die Unterhaltung darüber findet meist hinter vorgehaltener Hand statt, obwohl die Nachfrage eindeutig vorhanden ist. Smarte Vibratoren, app-gesteuerte Geräte und zunehmend auch Produkte aus dem Bereich der interaktiven Robotik werden nicht mehr ausschließlich von Männern gekauft. Untersuchungen zeigen, dass auch im Segment der mechanischen Intimbegleiter mehr Frauen Interesse zeigen und aktiv prüfen, ob Sexroboter für Frauen geeignet sind. Dieses Interesse ist Ausdruck eines größeren Trends: Frauen nutzen Technologie zunehmend selbstbestimmt, auch in Lebensbereichen, die traditionell als Tabuthema galten.

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Körperautonomie und der selbstbestimmte Umgang mit Sexualität sind dabei keine Randthemen. Die sexuelle Selbstbestimmung ist ein grundlegendes Persönlichkeitsrecht, das in Deutschland rechtlich verankert ist. Dass smarte Produkte in diesem Bereich gesellschaftlich diskutiert werden, ist ein Zeichen dafür, dass die Grenze zwischen „normaler“ Technologie und intimem Gerät zunehmend verschwimmt, und dass Frauen in beiden Bereichen als Konsumentinnen und Entscheiderinnen wahrgenommen werden wollen.

Smart Home: Wer steuert eigentlich den Haushalt?

Smart-Home-Systeme gelten in der Außendarstellung oft als Spielzeug für technikbegeisterte Männer. Die Realität sieht anders aus. Wer im Alltag den Haushalt organisiert, wer Heizung, Energieverbrauch und Sicherheit im Blick behält, ist in vielen Haushalten nach wie vor die Frau. Entsprechend pragmatisch ist ihr Zugang zu vernetzten Thermostaten, smarten Türklingeln oder automatisierten Beleuchtungssystemen.

  • Smarte Thermostate sparen laut Herstellerangaben zwischen 15 und 23 Prozent Heizkosten, wenn sie konsequent genutzt werden.
  • Vernetzte Sicherheitskameras werden besonders von Alleinlebenden und Alleinerziehenden nachgefragt, einer Gruppe, in der Frauen überrepräsentiert sind.
  • Sprachassistenten werden für Erinnerungen, Einkaufslisten und Kochrezepte intensiver genutzt als für technische Konfigurationen.

Das zeigt: Smarte Geräte haben im Alltag vieler Frauen längst Einzug gehalten. Die Frage ist nicht mehr, ob sie Technologie nutzen, sondern wie Hersteller und Händler das endlich als Normalzustand begreifen.

Warum das Design immer noch hinkt

Ein strukturelles Problem bleibt: Viele Produkte werden noch immer mit Männern als Default-Nutzer entwickelt. Das fängt bei der Ergonomie an. Smartwatches wurden jahrelang in Gehäusegrößen gefertigt, die für durchschnittliche Frauenhandgelenke zu groß waren, und endet bei Algorithmen. Wenn Gesundheits-Apps Kalorienbedarfsrechner verwenden, die auf Männerdaten basieren, liefern sie für Frauen schlicht falsche Werte.

Die Forschung zu diesem Thema ist inzwischen breit. Gender Data Gap, also die systematische Lücke in Daten, die Frauen betreffen, ist ein anerkanntes Problem in Wissenschaft und Politik. Wie groß diese Lücke ist und wie sie sich auf Produktentwicklung auswirkt, dokumentieren unter anderem Universitäten und unabhängige Forschungseinrichtungen europaweit.

Was sich gerade verschiebt

Die gute Nachricht: Der Druck auf die Branche wächst. Investorinnen, Gründerinnen und Nutzerinnen fordern Produkte, die tatsächlich für ihre Lebenswirklichkeit entwickelt wurden. Startups, die sich auf Female Health Tech spezialisieren, zogen in den vergangenen drei Jahren Risikokapital in Milliardenhöhe an. Und auch etablierte Hersteller wie Apple oder Garmin haben ihre Produktlinien gezielt um frauenspezifische Features erweitert.

Das Ergebnis ist kein Nischenmarkt, sondern ein Massenmarkt. Frauen kaufen smarte Geräte nicht trotz ihrer Weiblichkeit, sondern weil die Geräte endlich anfangen, für sie zu funktionieren. Technologie hatte nie ein Geschlecht. Werbung und Produktentwicklung hatten eines. Dieser Unterschied ist entscheidend, und er löst sich gerade auf.

Autorin: Redaktionsteam

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